Wie lange die Ausbreitung von COVID-19 noch anhalten wird, lässt sich schwer vorhersehen. Sicher ist, dass die Situation jetzt schon großen Einfluss auf die Entwicklungen im Automotive Bereich hat und auch zukünftig haben wird.

Anfang 2020 war der Verkauf von Neufahrzeugen rückläufig, was die Hersteller unter Druck setzte. Zu dem Zeitpunkt war die Lage aber noch nicht angespannt und niemand hat eine solche Krise kommen sehen. Der Fokus lag auf dem Umsatz aus den Bereichen Teile und Reparaturen.

Wartungen und Fahrzeugkäufe werden verschoben

Die Finanzmärkte stehen vor großen Herausforderungen. Ganze Städte werden verriegelt und Landesgrenzen geschlossen. Diese massiven Einschränkungen beeinflussen die Branche: die Fahrzeugnutzung sinkt rapide, Privatbesitzer und Fuhrparks schieben Wartungen auf. Bestehende Fahrzeuge werden vermutlich länger gehalten werden, so dass sich der Austauschzyklus insgesamt verlängert. Dieser Effekt kann einerseits die OEMs negativ treffen, birgt jedoch anderseits Chancen für den Aftermarket. Diese liegen in einer erhöhten Nachfrage nach Ersatz- und Verschleißteilen, da anzunehmen ist, dass immer ältere Fahrzeuge im Verkehr genutzt werden.

Aftermarket Podcast mit Matthias Moritz, Managing Director TecAlliance Asia

Ein guter Testmarkt für die Validierung so mancher Zukunftshypothese ist China. Das Land hat den Peak der Epidemie überstanden und scheint nun langsam aus der Krise hervorzugehen. In unserer ersten Podcast Folge spricht Matthias Moritz, Managing Director Asia über Auswirkungen des Ausbruchs der Pandemie auf den lokalen Aftermarket, wie sich die Situation aktuell darstellt und was bis Ende des Jahres zu erwarten ist.

Der Ausbruch von COVID-19 machte sich Ende Dezember 2019 erstmals in Wuhan bemerkbar. Der Sitz von TecAlliance China Ltd. befindet sich in Shanghai, rund 840 Kilometer von der betroffenen Provinz entfernt. Bis Mitte Januar war die Situation in den chinesischen Offices von TecAlliance noch gut überschaubar. Als die Stadt Hubei verriegelt wurde, mussten unsere Büros in Shanghai strengen Auflagen folgen und viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen befanden sich in Quarantäne.

COVID-19 verlängerte die ohnehin regungsarme Zeit um Chinese New Year um einen Monat

Das Zusammentreffen des Ausbruchs des Virus und der Festlichkeit des Chinese New Year machte jedoch zu diesem Zeitpunkt noch keine großen Effekte auf dem lokalen Automotive Aftermarket spürbar. Jedes Jahr bereitet sich die Wirtschaft auf diesen Zeitpunkt des Jahres vor und platziert vorher schon Aufträge, die dann über die ohnehin regungsarme Zeit produziert und ausgeliefert werden. Die Lieferzeiten haben sich durch die damalige Lage deutlich verzögert. Die Auftragslage war jedoch dieselbe wie im Jahr 2019 zur gleichen Zeit.

TecAlliance Analytics bestätigt die getroffenen Marktbeobachtungen

Die Beobachtung des Marktes durch TecAlliance Asia spiegelt sich auch in den Nutzungsdaten des TecDoc Catalogues wider und kann somit bestätigt werden. Dank unserer Business-Intelligence Lösung, dem Demand Dashboard ist es uns möglich, basierend auf dem Fahrezeug- und Teilesuchverhalten des Kunden, Daten zu aggregieren und auszuwerten.

Dr. Bartosch Belkius, Vice President Analytics hat sich die Daten genau untersucht und stellt fest: „Legt man die Nutzungsdaten aus China von 2019 und 2020 rund um den Zeitpunkt des Chinese New Year übereinander, wird deutlich, dass dieser Zeitpunkt jedes Jahr einen Rückgang des Gebrauchs vom TecDoc Catalogue verursacht. 2020 hält dieser nur länger an, da die chinesische Regierung aufgrund der Ausbreitung des Virus strikte Quarantänebestimmungen und Transportbeschränkungen verhängte.“

Dr. Bartosch Belkius, Vice President Analytics sieht in den TecDoc Catalogue Nutzerzahlen sogar eine Verbesserung im Vergleich zu 2019

Im Februar erreichte die Pandemie ihren Höhepunkt in China und die Gesellschaft ebnet langsam ihren Weg zurück in die Normalität. Auch das lässt sich in unseren Daten aus dem Demand Dashboard erkennen. „China ist jetzt auf einem guten Weg zurück zur Normalität. Das öffentliche Leben findet wieder statt. Die Nutzerzahlen des TecDoc Catalogues sind dort bereits auf die Werte wie in Januar 2020 zurückgekehrt. Im Vergleich zu März 2019 ist die Zahl sogar deutlich gestiegen.”, sagt Dr. Bartosch Belkius.

Die reguläre Lage rund um das Chinese New Year wurde durch die Krise quasi um einen Monat verlängert. Anfang März veranlasste TecAlliance China Ltd. eine Kundenumfrage und fand heraus, dass die asiatischen Kunden, die ja auch Hersteller sind, ihre Produktion mindestens wieder auf 80% hochgefahren haben. Die Fahrzeughersteller produzierten wieder und damit auch die Zulieferer wie der Independent Aftermarket.

Eine Herausforderung für ausschließlich international tätige Unternehmen

Die Lage verschlechterte sich, als die Märkte in Nordamerika und Europa weggebrochen sind. Es ist zu erwarten, dass einige Unternehmen, die ausschließlich international tätig sind und sich nicht auf den Binnenmarkt konzentrieren, die Krise nicht überstehen werden.

Die Krise wird noch weit bis ins neue Jahr vieles von der Aftermarket Community abverlangen und zielt vor allem auf die Schaffung flexibler Mehrwerte ab. Die Einflüsse, die COVID-19 auf die Wirtschaft und das Verhalten der Konsumenten hat, birgt auch große Potentiale für den IAM. Auf diese müssen sich alle Marktteilnehmer vorbereiten und sie aktiv angehen.